Zur Unmöglichkeit eines israelischen Genozids im deutschen Kriegsdiskurs: Varianten der Zurückweisung
Debattenbeitrag – Dr. Hanna Pfeifer
In Deutschland wird im öffentlichen und akademischen Diskurs in verschiedenen Varianten abgestritten, dass Israel einen Genozid an den Palästinenser*innen in Gaza begehen würde. Hanna Pfeifer, Leiterin des Forschungsbereichs Gesellschaftlicher Frieden und Innere Sicherheit am IFSH, über unterschiedliche Typen der Leugnung und das deutsche Sprechen über Massengewalt in Gaza.
Ein Debattenbeitrag von Hanna Pfeifer[1]
In der Genozidforschung wird Leugnung als konstitutiver Teil der Gewalt behandelt, als „constant feature of the genocidal process“[2]. Im deutschen Kriegsdiskurs wird in unterschiedlichen Varianten abgestritten, dass Israel einen Genozid an den Palästinenser*innen begeht. Wurden Techniken der Leugnung, wie sie für den Gaza-Genozid in internationalen Medien vorkamen, bereits untersucht,[3] so stelle ich hier Typen der Leugnung vor, wie sie im deutschen Diskurs vorkommen. Die Koexistenz unterschiedlicher Typen verweist darauf, dass Leugnung geschichtet strukturiert ist. Eine neue Schicht der Leugnung beginnt jeweils dort, wo gegenüber der vorherigen ein Zugeständnis im Hinblick auf die Realität des Gewaltgeschehens gemacht wird. Dies erklärt auch, wie es möglich ist, dass Abstreiten und Rechtfertigen, Ignorieren und Legitimieren israelischer Gewaltanwendung im deutschen Diskurs synchron vorzufinden sind.[4] Umgekehrt lassen sich die Typen auch als diachron verfügbares Repertoire verstehen, bei dem über die Zeit scheibchenweise Zugeständnisse erfolgen und sich ein Wechsel zu einer anderen Form der Leugnung vollzieht.[5] Im Folgenden stelle ich Varianten der Zurückweisung des Genozidvorwurfs idealtypisch vor, wie sie sich im deutschen Kriegsdiskurs einschließlich des sozialwissenschaftlichen Fachdiskurses finden. Sie weisen deutsche Eigenarten auf, sind grundsätzlich aber auch in anderen Diskursformationen auffindbar…
Vollständiger Beitrag – Portal für Politikwissenschaft – 19.12.2025

