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„Israel verwandelt Haftsystem in Netzwerk von Folterlagern“

B’Tselem dokumentiert dramatische Zustände im Westjordanland. Die Zahl palästinensischer Gefangener hat sich mehr als verdoppelt. Von Elias Feroz

Während sich die internationale Aufmerksamkeit auf den US-israelischen Krieg mit dem Iran richtet, verschärft sich die Lage für Palästinenser:innen weiter: Gewalt und Vertreibungen im Westjordanland nehmen zu, und auch in Gaza dauern die Angriffe trotz der im Oktober angekündigten Waffenruhe an. Sarit Michaeli, International Outreach Director der israelischen Menschenrechtsorganisation B’Tselem, spricht im Interview über Massenverhaftungen, Haftbedingungen und systematische Menschenrechtsverletzungen.

Frau Michaeli, wir haben zuerst Anfang März versucht, dieses Interview zu führen, dann verschoben, denn Sie mussten wegen iranischer Gegenangriffe Schutz suchen. Wie ist momentan die Situation vor Ort?

Ja, wir mussten ständig in den Schutzraum hinein- und wieder hinauslaufen. Aber es ist nicht nur der Krieg mit Iran – die Situation vor Ort im Westjordanland ist ebenfalls ein Albtraum, und natürlich auch Gaza und alles andere, was geschieht.

Während die weltweite Aufmerksamkeit auf die US-israelische Offensive gegen den Iran gerichtet ist, welche unmittelbaren Auswirkungen sehen Sie auf die Arbeit von B’Tselem und auf die Lage im Westjordanland und in Gaza?

Unter dem Deckmantel des Krieges vertieft die Zusammenarbeit zwischen dem Militär und israelischen Siedlermilizen die ethnische Säuberung des Westjordanlands. Offensichtlich zentriert der neue Krieg mit dem Iran die Aufmerksamkeit und die Energie aller. Es ist auch physisch viel schwieriger geworden, sich aus der Umgebung des eigenen Hauses zu entfernen, weil man ständig unter diesen Raketenangriffen steht, sodass die Menschen dazu neigen, in der Nähe von Schutzräumen zu bleiben. Deshalb gehen, denke ich, weniger Menschen ins Westjordanland, um eine schützende oder solidarische Präsenz zu bieten. Aber ich denke, der Hauptpunkt ist, dass die Siedler, die Armee und die (israelischen) Behörden im Westjordanland dies als weitere Gelegenheit nutzen, palästinensische Gemeinschaften in Area C (der Teil des Westjordanlands, der gemäß dem Oslo-Abkommen vollständig unter israelischer ziviler und militärischer Kontrolle steht und etwa 60 Prozent des Territoriums ausmacht) weiter zu verdrängen, weg von den offenen Flächen des Westjordanlands hin zu dicht besiedelten Enklaven. Und in Gaza hat der US-israelische Angriff auf Iran faktisch den kleinen Fortschritt eingefroren, den es seit dem sogenannten Waffenstillstand gegeben hatte – einschließlich jeglicher Hinwendung in Richtung einer Verbesserung der humanitären Situation…

Vollständiger Beitrag – Frankfurter Rundschau – 24.03.2026