Veranstaltungskalender
Zeit zu reden international: Israels palästinensische Staatsbürger:innen Kampf um politische, rechtliche und soziale Gerechtigkeit (Auf Englisch)
30. September 2026
30. September 2026, 19:00 – 21:00
Spore Initiative
Hermannstr. 86, 12051 Berlin
Freier Eintritt
Veranstaltungsankündigung auf der Spore-Webseite
20 Prozent der israelischen Bevölkerung – etwa zwei Millionen Menschen – sind palästinensische Staatsbürger:innen Israels. Ihre Geschichte beginnt mit der Nakba 1948: Während rund 750.000 Palästinenser:innen aus ihren Heimatorten vertrieben wurden oder flohen, blieben etwa 150.000 im neu gegründeten Staat Israel und wurden formell eingebürgert. Bis 1966 lebten sie unter repressiver Militärverwaltung, doch auch danach setzte sich die strukturelle Ungleichbehandlung fort.
Um den jüdischen Charakter des Staates zu verstärken und aufrechtzuerhalten, verabschiedete Israel Gesetze, die die palästinensische Bevölkerung direkt oder indirekt diskriminieren – beim Zugang zu Wohnraum, Bildung und Arbeit, bei der Gesundheitsversorgung und der Wahl ihrer Ehepartner:innen. Das Nationalstaatsgesetz von 2018 spricht allein dem jüdischen Volk das Recht auf nationale Selbstbestimmung zu, ohne die Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz zu garantieren.
Während der Staat rein jüdische Wohngebiete ausbaut und fördert, werden palästinensische Kommunen bewusst vernachlässigt. Armut, kaputte Infrastruktur, schlechtere Bildungsangebote und Perspektivlosigkeit sind die Folgen, die zu einem Anstieg von organisierter Kriminalität und Gewalt innerhalb der palästinensischen Communities geführt haben. Familien in überfüllten Stadtvierteln sind genauso betroffen wie beduinische Gemeinden in Negev, deren Dörfer bis heute nicht offiziell anerkannt sind und nun zerstört werden, um Platz für jüdische Städte zu schaffen.
Politisch bleiben palästinensische Bürger:innen trotz eigener Parteien marginalisiert. Seit dem 7. Oktober 2023 hat sich der Druck weiter verschärft, Hunderte wurden wegen Äußerungen in sozialen Medien oder bei Demonstrationen verhaftet. Zugleich wächst der zivilgesellschaftliche und juristische Widerstand: NGOs fechten diskriminierende Gesetze vor Gericht an, während eine neue Generation von Historiker:innen die Geschichte von 1948 und ihre Folgen aufarbeitet.
Das Panel diskutiert über historische Kontinuitäten von der Nakba bis heute, über soziale und räumliche Realitäten und juristische Strategien. Wie lässt sich die israelische Staatsbürgerschaft nutzen, um palästinensische Existenz zu schützen? Unter welchen Voraussetzungen ist eine jüdisch-palästinensische Zusammenarbeit in Politik und Zivilgesellschaft zielführend? Und welche Rolle spielt das Ausland?
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