„Macht den Mund auf!“ – Im Gespräch mit Fabian Goldmann
Elisabeth Koch
Fabian Goldmann berichtet im Interview mit etos.media über seine Erfahrungen im Rahmen der Lesereise zu seinem Buch „Staatsräsonfunk“ und fordert kollektiven Widerstand gegen die Repessionen in Zeiten des autoritären Staatsumbaus.
etos.media: Du beschreibst dich auf deiner Webseite als „Autor, Medienkritiker, Blogger, Islamwissenschaftler, Speaker, Podcaster, meist und vor allem aber Journalist“ und in Verbindung aller dieser Expertisen bist du gerade auf Buchtour, um dein neues Buch „Staatsräsonfunk“ vorzustellen. In deinem Buch geht es um die deutschen Medien und ihre überwiegend unkritische Berichterstattung über den Genozid in Palästina. Im Rahmen dieser Lesereise solltest du eigentlich auch an der Universität zu Köln sprechen, aber dann wurde dir der Raum entzogen. Was genau ist da passiert?
Fabian Goldmann: Der AStA der Uni Köln und die Kölner Studi-Gruppe „Camp for Palestine“ hatten mich eingeladen, um an der Uni Köln über mein Buch zu sprechen, in welchem ich die Gaza-Berichterstattung deutscher Leitmedien untersuche. Zunächst lief alles problemlos: Die Uni genehmigte die Veranstaltung, das Interesse der Studierenden war groß. Ein paar Tage vor der Veranstaltung verlegte die Uni-Leitung die Veranstaltung plötzlich an einen kleineren Campus und untersagte sie dann schließlich ganz. Am Veranstaltungsort wartete schon eine Vertreterin der Uni-Leitung in Begleitung von Polizei und Sicherheitsdienst auf uns und warf uns von dem Gelände. Wohlgemerkt: Es ging um eine medienwissenschaftliche Veranstaltung, die zudem von der offiziellen Studierendenvertretung der Uni Köln organisiert wurde. Ich hatte natürlich schon vorher mitbekommen, dass die Uni Köln nicht viel von Wissenschaftsfreiheit hält, sobald man sich kritisch mit der deutschen Staatsräson-Politik beschäftigt. Aber das so unmittelbar einmal am eigenen Leib zu erleben, war eine ganz neue Erfahrung. Dass die Veranstaltung am Ende doch stattfand ist dem großen Engagement von AStA und Camp for Palestine zu verdanken.
etos.media: Was war die offizielle Begründung für die Raumabsage?
Fabian Goldmann: Offiziell begründete die Uni die Absage mit „Sicherheitsbedenken“. Welches konkrete Sicherheitsrisiko von einer Inhaltsanalyse deutscher Nahost-Berichterstattung ausgehen soll, erklärte die Uni-Leitung nicht. Wahrscheinlicher ist, dass die Absage politische Gründe hatte. Die Uni hat in den vergangenen Jahren immer wieder unmissverständlich gezeigt, dass sie voll auf Staatsräsonkurs ist und dafür im Zweifel auch bereit ist, die Freiheit von Lehre, Wissenschaft und studentischer Selbstorganisation einzuschränken.
Die Uni Köln hat sich nach dem 7. Oktober mehrfach öffentlich mit Israel solidarisiert, ohne die von Israels Armee begangenen Verbrechen und das Leid der palästinensischen Bevölkerung auch nur zu erwähnen. Mehrfach wurden Veranstaltungen, die sich kritisch mit Israels Genozid und der deutschen Unterstützung beschäftigen, verhindert. Problemlos an der Uni auftreten konnten hingegen offizielle israelische Vertreter wie Israels Botschafter Ron Prosor. Um diesen vor Kritik und Protest zu schützen, hat die Uni sogar einmal einem ihrer eigenen Studenten Hausverbot erteilt.
Im April 2024 ging die Uni-Leitung so weit, der US-amerikanischen Philosophin Nancy Fraser die Albertus-Magnus-Professur abzuerkennen. Diese hatte zuvor in einem Offenen Brief Israels Genozid in Gaza und Apartheidsystem im Westjordanland kritisiert. Dass ich jetzt mit Nancy Fraser in einem Atemzug genannt werde, ist doch eigentlich auch eine sehr schöne Auszeichnung…
Das Gespräch in Gänze – etos.media – 23.05.2026

