Scharfschützen haben saubere Hände
Leben und sterben als Palästinenser: Von Siedlern vertrieben, von Soldaten erschossen, von Journalisten entmenschlicht, darf er nur ein Terrorist sein oder ein perfektes Opfer, das keinen Widerstand leistet.
Von Mohammed El-Kurd, Übersetzung von Daniele Puccio
Und die Männer sind Männer und die Frauen sind Männer
Und die Kinder sind Männer!
– Padraic Fiacc
Wir sterben viele Tode. Wir sterben in flüchtigen Schlagzeilen, zwischen einem Atemzug und dem nächsten. Unser Tod ist so alltäglich, dass Journalisten darüber berichten wie über das Wetter: Bewölkter Himmel, leichte Regenschauer und 3.000 tote Palästinenser in den letzten zehn Tagen. Und genau wie beim Wetter ist nur Gott dafür verantwortlich – nicht bewaffnete Siedler, nicht gezielte Drohnenangriffe.
Wir schenken den Leichen auf unseren Feldern keine Beachtung. Ihre Existenz ist eintönig, vorhersehbar. Das Gemetzel ist so unablässig, dass es von den bald Getöteten fast erwartet – antizipiert – wird. Ihre Handgelenke, groß und klein, sind mit Kabelbindern auf dem Rücksitz von Polizeiautos gefesselt. Der Tod ist überall. Selbst Metaphern sind Opfer des Krieges. Das Bildliche ist erschreckend real geworden: blutige Bärte, in Bäumen hängende Möbel, ein Körperteil, das von einem Deckenventilator baumelt, Frauen, die auf Betonboden gebären. Et cetera. Haben wir uns zu sehr an das Schreckliche gewöhnt? Was einst schrecklich war, was einst ein Vorbote des Untergangs war, verschmilzt nun mit der Umgebung; der Tod ist nun eine langweilige Vogelscheuche. Selbst wenn die Raben lauter werden, stößt ihr Krächzen auf desinteressierte Ohren. Dieser Tod hat nichts Heiliges mehr an sich. Keine Gottheiten kommen zur Rettung. Wir sterben einsam. In der Verlassenheit sterben wir viele Tode…
Vollständiger Beitrag – Jacobin – 20.03.2026

