30 weitere palästinensische Gefangene treten in Solidarität mit sechs anderen in den Hungerstreik, um gegen die Administrativhaft zu kämpfen

Dreißig weitere palästinensische Gefangene der Volksfront für die Befreiung Palästinas schlossen sich 19 ihrer Genossen in einer laufenden Serie von Solidaritätsstreiks an, um sechs palästinensische Gefangene im Hungerstreik gegen israelische Administrativhaft, Inhaftierung ohne Anklage oder Prozess zu unterstützen. Am Montag, den 12. August, gab die Gefängnisabteilung der PFLP bekannt, dass sich 30 Genossen in den Gefängnissen Negev, Ofer, Ramon und Gilboa dem Solidaritätsstreik angeschlossen haben, darunter:

• Aus dem Gefängnis im Negev, Asem Kaabi, Shadi Ma’ali, Majd Barbar, Munther Mifleh Khalaf, Jamil Yousef, Nazim Assous, Mahmoud Abu Srour, Muhannad Kawar, Mohammed Abu Khdei, Mohab al-Ajarma, Obada Dandis und Maan Awad.

• Aus dem Ramon-Gefängnis, Jihad Ma’ali, Ahmad Mousa, Tariq Abu Ayyash, Zaki Atta, Thaer Hanani, Mahmoud Issa und Tamer Abu Zudud.

• Aus dem Gefängnis in Ofer, Hafez Omar, Nasser Atta, Rami Karajeh, Majdi Nasr, Bassel al-Wawi und Mahmoud al-Lahham.

•  Aus dem Gefängnis in Gilboa, fünf Genossen, deren Namen noch nicht gemeldet wurden, wegen der Kommunikationsschwierigkeiten, die durch die israelische Gefängnisbehörde verursacht wurden.

Sie gaben eine Erklärung ab in der es heisst, dass “als Teil unseres unerschütterlichen Engagements zur Unterstützung unserer Hungerstreikenden eine neue Gruppe unserer Kader sich dem offenen Hungerstreik anschließt, um die Gefängnisverwaltung und den Shin Bet weiter unter Druck zu setzen, damit sie auf ihre Forderungen reagieren”, und betonten, dass die Besatzungmacht voll verantwortlich ist für das Leben und die Gesundheit von Huzaifa Halabiya und seinen Mitstreitern.

Sie schlossen sich 19 PFLP-Gefangenen an, die sich bereits den Solidaritätsstreiks zur Unterstützung von Halabiya und den anderen Streikenden angeschlossen hatten. Halabiya aus Abu Dis in Jerusalem, befindet sich seit dem 1. Juli 2019 seit 44 Tagen im Hungerstreik. Er hat Leukämie überlebt, verbrannte als Kind große Teile seines Körpers und benötigt medizinische Versorgung und Nachsorge. Dennoch hält er an seinem Hungerstreik fest und nimmt trotz der schweren Verschlechterung seiner Gesundheit nur Wasser zu sich.

Er ist seit dem 10. Juni 2018 ohne Anklage oder Gerichtsverfahren in Haft, als ihn israelische Besatzungstruppen in seinem Haus festnahmen, in dem er mit seiner schwangeren Frau und seiner sechs Monate alten Tochter, Majdal, lebt, die zu sehen ihm verweigert wird.

Ein Anwalt von Addameer Prisoner Support and Human Rights Association besuchte Halabiya am Montag, den 12. August in der Ramle-Gefängnisklinik in Isolationshaft. Der Anwalt berichtete, dass Halabiya im Rollstuhl mit gefesselten Händen und Füßen zu dem Besuch kam, trotz seines sich verschlechternden Gesundheitszustandes. Er leidet unter starken Schmerzen, Übelkeit und Krämpfen im Bauch, Kopf und anderswo. Er kann nicht stehen oder gehen und kann nur drei bis vier Stunden am Tag schlafen.

Einmal wurde er gefesselt und ins Krankenhaus von Kaplan gebracht, wo Blut, Puls und Blutdruck getestet und ein Salzdepot intravenös angelegt wurde; er war die ganze Zeit in Handschellen und angekettet. Am vergangenen Donnerstag, den 8. August, brach eine Gefängniswärtergruppe in seine Isolationszelle ein und durchsuchte sie.

Administrativhaftbefehle werden auf der Grundlage von “geheimen Beweisen” für jeweils bis zu sechs Monate erlassen. Sie können auf unbestimmte Zeit verlängert werden, und die Palästinenser*innen verbringen oft Jahre in Haft, die ohne Anklage und ohne Gerichtsverfahren durch immer wieder erneuerte behördliche Haftbefehle verhängt wird.

Ebenfalls im Hungerstreik befinden sich fünf weitere palästinensische Gefangene:

•  Ahmed Ghannam, 42, aus al-Khalil, der ebenfalls Leukämie überlebt hat. Er befindet sich seit 31 Tagen im Hungerstreik gegen seine Administrativhaft ohne Anklage oder Gerichtsverfahren. Er wird in Einzelhaft im Wüstengefängnis Negev festgehalten.

•  Sultan Khallouf, 38, aus Dschenin, befindet sich seit 27 Tagen im Hungerstreik, nachdem er ohne Anklage oder Gerichtsverfahren in Administrativhaft sitzt. Er begann seinen Streik, nachdem nach seiner Festnahme am 8. Juli 2019 die Inhaftierung angeordnet wurde. Er wird im Megiddo-Gefängnis festgehalten.

•  Ismail Ali, 30, ebenfalls aus Abu Dis in Jerusalem, befindet sich seit 27 Tagen im Hungerstreik gegen seine Administrativhaft. Er ist seit Januar ohne Anklage oder Gerichtsverfahren inhaftiert. Er ist im Negev-Gefängnis in Isolationshaft.

•  Wajdi al-Awawda, 20, aus al-Khalil, befindet sich am 16. Tag im Hungerstreik gegen seine Haft ohne Anklage oder Gerichtsverfahren. Er ist im Negev-Gefängnis in Isolationshaft.

•  Tareq Qa’adan, 46, aus Arraba, befindet sich seit 14 Tagen im Hungerstreik gegen seine behördliche Haftanordnung. Als  bekannte palästinensische Persönlichkeit hat er in der Vergangenheit 15 Jahre in israelischen Gefängnissen verbracht.

Samidoun Palestinian Prisoner Solidarity Network fordert alle Anhänger*innen und Freunde Palästinas auf der ganzen Welt auf, sich an die Seite dieser mutigen Gefangenen zu stellen, die ihr Leben aufs Spiel setzen, um Freiheit und ein Ende des ungerechten Systems der Administrativhaft zu erreichen. Internationale Solidarität kann ihnen helfen, ihre Kämpfe zu gewinnen, so dass all unsere Teilnahme, Proteste und Petitionen eine Rolle spielen können, indem sie ihnen helfen, den Sieg für Gerechtigkeit und Freiheit zu erringen.

Ergreift Maßnahmen:

1) Organisiert oder nehmt teil an einer Veranstaltung oder einem Protest für die palästinensischen Gefangenen. Ihr könnt einen Infotisch, eine Kundgebung, einen Solidaritätshungerstreik, einen Protest oder eine Aktion zur Unterstützung der Gefangenen organisieren. Wenn ihr bereits eine Veranstaltung über Palästina oder soziale Gerechtigkeit veranstaltet, nehmt die Solidarität mit den Gefangenen als Teil eurer Aktion auf. Sendet eure Veranstaltungen und Berichte an samidoun@samidoun.net.

2) Schreibt Briefe und führt Telefonate, um gegen die Verletzung der Rechte der palästinensischen Gefangenen zu protestieren. Fordert eure Regierung auf, Maßnahmen zu ergreifen, um die Unterstützung der israelischen Besatzung einzustellen oder den israelischen Staat zu drängen, die Politik der Repression gegen palästinensische politische Gefangene zu beenden. Fordert insbesondere, dass eure politischen Beamten Druck auf Israel ausüben, damit es die Politik der Administrativshaft, der Inhaftierung von Palästinenser*innen ohne Anklage oder Prozess beendet.

Ruft während der regulären Bürozeiten eures Landes an:

– Australische Außenministerin Marise Payne: + 61 2 6277 7500
– Kanadische Außenministerin Chrystia Freeland: +1-613-992-5234
– EU-Kommissarin Federica Mogherini: +32 (0) 2 29 53516
– Neuseeländischer Außenminister Winston Peters: +64 4 439 8000
– Der britische Außenminister Jeremy Hunt: +44 20 7008 1500
– Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump: 1-202-456-1111

3) Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen. Nehmt an der BDS-Kampagne teil, um die Mittäterschaft von Unternehmen wie Hewlett-Packard und das anhaltende Engagement von G4S bei der israelischen Polizei und in Gefängnissen hervorzuheben. Baut eine Kampagne auf, um israelische Waren zu boykottieren, ein Militärembargo gegen Israel zu verhängen oder sich um den akademischen und kulturellen Boykott Israels zu organisieren. Mehr über die BDS-Kampagne erfahret ihr unter bdsmovement.net.