München: Fr 23.09.2016 Antisemitismus heute

Der Verleger und Publizist Abi Melzer kommt nach München. Wir laden Sie herzlich ein zu Vortrag und Gespräch mit ihm über das Thema „Antisemitismus heute“

Wann: FREITAG, 23. September, 19.30 Uhr

Wo: Eine Welt Haus, Großer Saal, Schwanthalerstr. 80 (U4/U5 Theresienwiese)

Achtung! Der neue Ort der Veranstaltung ist das HANSA-HAUS in der Briennerstr. 39 – 19.30 Uhr

Die Veranstaltung fällt aus!

Abraham Melzer, Jahrgang 1945, ist in Israel aufgewachsen, im Alter von 13 Jahren mit den Eltern nach Deutschland ausgewandert, wo er die Oberschule besuchte; danach kehrte er nach Israel zurück, um seinen Militärdienst abzuleisten. Die dabei gemachten Erfahrungen haben erheblich zu seinen israelkritischen Einsichten beigetragen. Nach einem Jahr wurde er jedenfalls vorzeitig aus dem Militär entlassen und kehrte in den väterlichen Betrieb, einen Buchverlag, nach Deutschland zurück.

Er verfasste Bücher zu diversen Themen und begann, sich zunehmend mit dem Palästina-Konflikt zu beschäftigen. Schon früh drängte sich ihm die Erkenntnis auf, dass die israelische Politik gegenüber den Palästinensern ein verhängnisvoller Irrweg ist, und er begann, dagegen zu opponieren. In seinem Verlag brachte er zahlreiche wichtige Publikationen zum Palästina-Konflikt heraus, u.a. auch die von ihm redigierte Zeitschrift „Der Semit – Die andere jüdische Stimme“. Seit 2014 erscheint die Zeitschrift nur noch online unter http://der-semit.de.

Abraham Melzer ist auch Mitglied der Gruppe „Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost“ (http://www.juedische-stimme.de/.

Der Historiker und Soziologe von der Universität Tel Aviv, der geschätzte Moshe Zuckermann, beschreibt, worum es Abi Melzer geht: „Um zweierlei. Zum einen um Kritik und Anklage der israelischen Politik, die seit bald 50 Jahren auf der Barbarei der Okkupation und der Unterdrückung des palästinensischen Volkes materiell wie ideologisch basiert und diese letztlich auch bewusst und zweckgerichtet zum Inhalt hat. Zum anderen aber auch um die Wahrnehmung dieses Grundumstandes im deutschen Diskurs, und zwar sowohl von Nichtjuden als auch von Juden. Während Melzer mit Bezug auf Israels Wirklichkeit die reale Repression und ihre ideologische Verbrämung anprangert, sieht er sich im deutschen Kontext mit dem Problem konfrontiert, dass die Protagonisten der politischen Klasse sich (aus „historischen“ Gründen) scheuen, eine realitätsadäquate Politik Israel gegenüber zu verfolgen, was die institutionellen wie publizistischen Sachwalter des Jüdischen in Deutschland interessengeleitet weidlich auszukosten verstehen.“

Wir dürfen einen spannenden Vortrag erwarten und freuen uns, wenn wir Sie/Euch am kommenden Freitag begrüßen dürfen.

Mit herzlichem Gruß

Salam und Shalom

Jürgen Jung

SALAM SHALOM Arbeitskreis Palästina-Israel e.V. München


Zur aktuellen Entwicklung:

Das Kulturreferat der Stadt München hat gestern dem Eine WeltHaus untersagt, die Veranstaltung in seinen Räumlichkeiten stattfinden zu lassen. – Jürgen Jung – Begründung: „Die Veranstaltungsankündigung enthält Formulierungen, die in Richtung einer Delegitimierung Israels gehen. Dies legt nahe, dass in der Veranstaltung die Grenze zwischen Israelkritik und Antisemitismus überschritten wird. In städtischen Räumen sind solche Agitationen nicht zulässig. Das Kulturreferat untersagt daher die Überlassung der städtischen Räume an den Verein Salam Shalom zur Durchführung der Veranstaltung.“

Der Münchner Merkur hat heute bereits einen Artikel zu der Affäre veröffentlicht (Anhang 1), auf den ich mit einem Leserbrief geantwortet habe (Anhang 2).
Es ist schon ungeheuerlich, wie unverfroren der Artikel 5 unseres Grundgesetzes (“ Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten … Eine Zensur findet nicht statt.“) außer Kraft gesetzt wird.

Ein zahlreicher Besuch wäre uns – als Zeichen der Unterstützung und des Protestes – sehr willkommen.

Der neue Ort der Veranstaltung ist das HANSA-HAUS in der Briennerstr. 39 – 19.30 Uhr

Palästina-Verein muss neuen Ort suchen – Antisemitismus-Vorwurf: Stadt verbietet linke Veranstaltung im Eine-Welt-Haus – München – Kulturreferent Hans-Georg Küppers, SPD, hat die Veranstaltung einer linken Gruppe im Eine-Welt-Haus verboten. CSU-Bürgermeister Josef Schmid und sogar Grüne unterstützen die Entscheidung. Der Veranstalter spricht von „Israel-Lobby“.
http://www.merkur.de/…/antisemitismus-vorwurf-stadt-verbiet…

Jürgen Jung – (doc) Leserbrief zum Artikel im MM vom 22. 9. 2016: Die von der Stadt München untersagte Nutzung der Räumlichkeit des EineWeltHauses für den Vortrag des Verlegers Abi Melzer stellt einen derartig schwer wiegenden Eingriff in das Grundrecht der Meinungs- und Informationsfreiheit dar, daß er selbstverständlich einer hieb- und stichfesten Begründung bedarf.


Letzte Mitteilung:

Der Geschäftsführer des HANSA-Hauses teilte uns heute Vormittag mit, dass er leider seine Raumzusage zurücknehmen müsse. Er hat die ihm bisher nicht bekannte Erfahrung gemacht, dass es bestimmten Kreisen (in diesem Falle offenbar auch katholischen – der KKV ist ein katholischer Sozialverband) nicht passt, wenn zum Thema Palästina-Israel kritische, d.h. von den gängigen abweichende Positionen vertreten werden. Es wurde offenbar so massiv Druck auf ihn ausgeübt, dass er zermürbt aufgab und uns – mit dem Ausdruck des Bedauerns – vor die Tür setzte.
Unser Referent Abi Melzer, der Stein des Anstoßes befindet sich bereits wieder auf dem Weg nach Hause.

Wir bieten allen, die durch die unglaublichen Vorgänge der letzten Tage rund um unsere Veranstaltung aufgeschreckt sind (nicht zu reden von der Empörung) an, sich heute Abend mit uns zu treffen und sich an Überlegungen zu beteiligen, was wir kurz- und mittelfristig unternehmen können, um dem dreisten und erfolgreichen Treiben der Meinungsunterdrücker Einhalt zu gebieten – politisch, juristisch, publizistisch. Es kann nicht sein, dass eine kleine (allerdings bestens vernetzte) Interessengruppe darüber befinden kann, wer in dieser Stadt und in diesem Land (es handelt sich ja um ein bundesweites Phänomen) was sagen darf.

Wir treffen uns um 20,00 Uhr im KOMM Treff in der Holzapfelstrasse 3 (Westend). Am besten zu erreichen mit der S-Bahn bis zur Hackerbrücke, die Landsbergerstrasse überqueren, in die Holzapfelstrasse einbiegen.

Herzliche Grüße Jürgen Jung