Teile und herrsche – Das Sykes-Picot-Abkommen

Vor hundert Jahren zogen Großbritannien und Frankreich die Grenzen des heutigen Nahen Ostens

Knut Mellenthin, 25.05.2016

Am 23. November 1917 veröffentlichten die russischen Zeitungen Iswestija und Prawda ein zur damaligen Zeit sensationelles Dokument: Ein britischer und ein französischer Diplomat hatten sich im Mai 1916 im Auftrag ihrer Regierungen über die Nachkriegsaufteilung des Nahen Ostens verständigt. Nach diesen beiden Männern ist das Papier, dem eine Landkarte der Region mit Grenzmarkierungen beigefügt war, als »Sykes-Picot-Abkommen« bekannt.

Wirklich sensationell war jedoch nicht der Inhalt des Dokuments. Derart frivol und abenteuerlich anmutende Vereinbarungen zwischen zwei oder manchmal auch mehr Staaten wurden im 19. und auch noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu Dutzenden abgeschlossen und gehörten zur diplomatischen Routine. Auch das Deutsche Reich war an vielen derartigen Abkommen beteiligt. Aber weder der Inhalt noch auch nur die Existenz solcher Geheimverträge gelangten in der Regel an die Öffentlichkeit. So bestritten die Regierungen in London und Paris auch sofort ganz entschieden die Echtheit des Sykes-Picot-Abkommens und sprachen von »kommunistischer Propaganda«. Dennoch druckte die britische Tageszeitung Manchester Guardian das Papier am 26. November 1917 nach.

Am 7. November 1917 (nach dem in Russland noch geltenden julianischen Kalender am 25. Oktober, daher: Oktoberrevolution, jW) hatten die Bolschewiki durch einen präzis geplanten Staatsstreich die Macht in der damaligen russischen Hauptstadt Petrograd, heute St. Petersburg, übernommen.

Ein erfolgreicher Aufstand in Moskau folgte kurz darauf. Zu den ersten Maßnahmen der Revolutionäre gehörte, einem Erlass des Volkskommissars für Auswärtige Angelegenheiten, Leo Trotzki, vom 22. November folgend, die Offenlegung der zwischen den imperialistischen Staaten während des Weltkriegs geschlossenen Geheimverträge…

Zum vollständigen Artikel: junge Welt


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